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Ich habe auf Andy Warhol geschossen –
Am 3. Juni 1968 betrat die Radikalfeministin Valerie Solanas in New York die Factory und gab drei Schüsse auf Andy Warhol ab. Der Nachwelt ist vor allem das Bild einer geisteskranken Person im Gedächtnis geblieben, die das männliche Geschlecht vernichten und in ihrem paranoiden Wahn einen weltberühmten Künstler ermorden wollte. Sie wurde in eine psychiatrische Anstalt gesperrt und zum Schweigen gebracht. Dabei war das Attentat in der Factory kein Amoklauf, sondern eine kaltblütig geplante Aktion und ein Vorgeschmack auf ihr Hauptwerk, das "SCUM Manifesto", das einem radikalen Feminismus den Weg bereitete. Valerie Solanas war eine Frau, von der eine Weile in den Klatschspalten der Zeitungen zu lesen war, weil sie auf einen Prominenten geschossen hatte, und die dann auf dem Müllhaufen der Geschichte landete. Doch ihr Werdegang und ihre Bedeutung für die Geschichte des Feminismus sind zu komplex und faszinierend, um ihr Werk auf das einer Geisteskranken zu reduzieren. Ihr ganzes Programm ist in dem Manifest angelegt, man braucht es nur zu lesen … Valerie Solanas hasste Männer, propagierte in ihren Schriften einen gewissen Separatismus, bezeichnete sich selbst als radikale Lesbe und stellte noch vor Monique Wittig die Heterosexualität als politisches System infrage. "Lest mein Manifest, da steht drin, wer ich bin!", schleuderte sie den Journalisten entgegen. In der Tat lässt das Manifest Solanas' ganzes Leben erahnen, die sexuelle Gewalt und die Demütigungen, die wohl fast jede Frau in unterschiedlichem Maße erlebt. 55 Jahre nach seinem Erscheinen ist das "SCUM Manifesto" aktuell wie nie zuvor. Denn es stellt eine Projektionsfläche für die Wut der Frauen dar und ruft sie dazu auf, sich zu vereinigen. Die Dokumentation beleuchtet einen Text, der zu seiner Zeit unverstanden blieb, und präsentiert eine komplexe Persönlichkeit, die häufig verzerrt dargestellt wurde. Vor allem aber strebt sie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem visionären Manifest an, anstatt es als Wahnidee einer Verrückten abzutun.
The Man I Left Behind
Larry Towell wurde als Sohn eines Arbeiters im ländlichen Ontario in der Nähe von Toronto geboren und wuchs in enger Verbundenheit mit der Region auf. Während seines Kunststudiums begann er sich für Fotografie zu interessieren, heute ist er auch Folkmusiker, Dichter und Geschichtenerzähler. Auf seiner Visitenkarte steht schlicht "Mensch". Als die ersten Digitalkameras aufkamen, begann Towell, Steine werfende Kinder, von Rauchgranaten vernebelte Kämpfe und bis an die Zähne bewaffnete Soldaten in einer Art Filmtagebuch festzuhalten. In dieses private Archiv taucht der gemeinsam mit Matthieu Rytz realisierte Dokumentarfilm ein und fügt großartige, oft tragische Bilder zu einer Meditation über den schwierigen Beruf des Kriegsfotografen zusammen. Der Film thematisiert die Unverzichtbarkeit von Bildern, die Absurdität von Grenzen, die Gefahr, sich an den Krieg zu gewöhnen, und die treibende Kraft dieses Fotografen, in dessen Arbeit der Mensch im Mittelpunkt steht. Anhand unzähliger Begegnungen mit Opfern, Trauernden, Vertriebenen, Rebellen und Soldaten veranschaulicht diese Reise durch rund 40 Jahre Fotografenleben die dokumentarische Kraft der Bilder. Mit zahlreichen Erinnerungen, Liedern und Gedichten gibt Larry Towell tiefe Einblicke in seine Psyche. Gleichzeitig beleuchtet der Dokumentarfilm die Bedeutung von Verwurzelung und zeigt eindrücklich, wie der Verlust der Heimat zum Verlust der Identität führen kann. Nicht zuletzt handelt der Dokumentarfilm von der Absurdität von Kriegen.
Guadeloupe, von den Gipfeln bis zum Meeresgrund
Auf der Insel Guadeloupe im Herzen des Karibischen Meers ist eine faszinierende Tierwelt zu Hause. Von Berggipfeln über Wälder, Flüsse und Strände bis zu Mangrovensümpfen verfügt die Insel über eine Vielzahl abwechslungsreicher und spektakulärer Landschaften und Ökosysteme. Ob Regen- oder Trockenwälder, Sand- oder Felsstrände, schroffe Berghänge oder fruchtbare Ebenen, ob von Menschenhand geformt oder noch unberührt – all diese Landschaften sind Heimat einer Vielzahl teils überraschender und wenig bekannter Tierarten. Auch wenn Guadeloupe ein beliebtes Touristenziel ist und weite Teile der Insel bewohnt sind, hat die Natur an vielen Orten die Oberhand behalten. Hier leben viele unauffällige Geschöpfe, von denen manche erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Andere haben ganz in der Nähe der Menschen ihren Lebensraum gefunden – doch ihre Präsenz ist den wenigsten wirklich bewusst. In Wahrheit wissen sie kaum etwas über ihre tierischen Nachbarn. Die Tierdokumentation folgt dem Weg eines Wassertropfens von den Gipfeln der Insel bis in die Tiefen des Meeres und nimmt den Zuschauer mit auf eine Entdeckungsreise in die faszinierende Tierwelt von Guadeloupe.
Tierisch fotogen: Yana Wernicke aus Deutschland
Die Kunstfotografie eröffnet neue Perspektiven auf die Tierwelt. Die zweite Staffel der Serie "Tierisch fotogen" stellt fünf internationale Fotografen und Fotografinnen vor, die Tiere in ungewöhnlichen künstlerischen Zusammenhängen zeigen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier neu hinterfragen. Der polnische Fotograf Tomasz Gudzowaty arbeitet mit seriellen Motiven, seine eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bilder erinnern an Gemälde. Die Italienerin Diana Bagnoli richtet ihren Blick auf das Zusammenleben von Mensch und Haustier und entdeckt darin oft skurrile Momente. Der Spanier Miguel Vallinas erschafft surreale Figuren: Tierköpfe mit menschlichen Körpern. Die französische Fotografin Clarisse Rebotier inszeniert ungeliebte Tiere wie Spinnen oder Ratten mit Humor und Theatralik. Die deutsche Fotografin Yana Wernicke richtet ihren Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und sogenannten Nutztieren. In poetischen, oft in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildern zeigt sie Kühe, Schweine oder Wasserbüffel als individuelle Persönlichkeiten. Ihre Fotografien entstehen meist aus der Beobachtung heraus und leben von Gesten, Berührungen und dem Vertrauen zwischen Mensch und Tier. Wernicke interessiert sich besonders für Details und ungewohnte Ausschnitte von Tierkörpern, die Nähe herstellen und neue Perspektiven eröffnen. Auch das Rehkitz taucht in ihren Bildern auf – ein vertrautes Naturmotiv, dessen symbolische Aufladung sie hinterfragt. So entstehen sensible Bilder, die den Blick auf Tiere verändern und sie als fühlende Wesen sichtbar machen.
Heilende Kälte
Für die finnische Extremschwimmerin Elina Mäkelä ist die „Eismeile“ vor Spitzbergen mehr als ein Sportevent: Jeder Sprung ins arktische Meer ist Härtetest und wissenschaftliches Experiment zugleich. Forscher messen, wie Kälte Leistung, Atmung und Unterkühlung beeinflusst und stoßen auf erstaunliche positive Effekte. Kälte kann nicht nur lähmen, sondern auch heilen: Sie stärkt Abwehrkräfte, reguliert Gewicht und wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Die Doku zeigt, warum moderne Komfortgewohnheiten die Kältetoleranz schwächen und welche Chancen gezielte Kälteanwendungen – bis hin zu möglichen Therapien für Diabetes – bieten.
Frankreichs Gärten: Die kleinen Schätze
Serge Denoix blüht auf, wenn er ein Gartengerät, mit dem schon vor Jahrhunderten gearbeitet wurde, wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuführen kann. Er ist Gärtner aus Leidenschaft mit Blick fürs Detail.
Zu Tisch mit Lucie – Kitchen Hacks
Gurken, Kimchi und Kombucha: Was früher reine Vorratshaltung war, ist heute Trendthema in Küche, Wissenschaft und Popkultur. Beim Fermentieren überlässt man Mikroben die Arbeit – für mehr Geschmack, Haltbarkeit und auch mehr Gesundheit. In Oberfranken entdeckt eine solidarische Landwirtschaft die Kunst der Haltbarmachung wieder, im Elsass zeigt ein Landwirt, wie er den Kohl für sein feines Sauerkraut anbaut und verarbeitet. Und im Spreewald verrät Manuela Filko das Rezept für ihre saftigen Spreewaldgurken. Köchin Lucie Fischer-Chapalain bereitet scharfes Kimchi und rosiges Kombucha zu. Außerdem testet sie fermentierte Köstlichkeiten von Camembert bis Surströmming – das wird auch mal zur geschmacklichen Herausforderung … Moderation: Lucie Fischer-Chapalain.
Stadt Land Kunst
Kasachstan: Kamera läuft!; Le Havre, eine transatlantische Stadt; Kroatien: Renés Truthahnbraten; Elfenbeinküste: Die Legende Picasso. Kasachstan: Kamera läuft! Le Havre, eine transatlantische Stadt Kroatien: Renés Truthahnbraten Elfenbeinküste: Die Legende Picasso (1): Kasachstan: Kamera läuft! Adilkhan Yerzhanovs Kasachstan gleicht einem Märchen. Zwar ist das Land seiner Filme fiktiv, doch Kasachstan ist klar zu erkennen: Raue weite Steppen symbolisieren das Paradies, die protzige, in die Höhe gebaute Stadt das Fegefeuer für verlorene Seelen. Kompromisslos analysiert der Regisseur in seinen Werken dieses Land im Umbruch. Sein fünfter Film, ʺThe Gentle Indifference of the Worldʺ (2018), erzählt die Geschichte von Saltanat und Kuandyk – eine kasachische Variante von Romeo und Julia, in der Träume und Korruption aufeinanderprallen. (2): Le Havre, eine transatlantische Stadt Le Havre ist seit seiner Gründung untrennbar mit dem Atlantik verbunden. Im Juli 1864 – vor mehr als 160 Jahren – startete hier die legendäre transatlantische French Line, die die französische Hafenstadt mit New York verband. Die ersten Schiffe beförderten Post, bald überquerten aber auch Migrantinnen und Migranten sowie wohlhabende Passagiere den Atlantik von Le Havre aus. Ozeanriesen wie die ʺNormandieʺ und nach dem Zweiten Weltkrieg die ʺFranceʺ sind heute Kreuzfahrtschiffen gewichen, die an die Tradition der berühmten French Line anknüpfen. (3): Kroatien: Renés Truthahnbraten In Zagreb serviert René Purica s mlincima. Erster Schritt: Den Truthahn mit Schmalz einfetten. Anschließend spickt René eine Zwiebel mit Nelken und stopft damit den Truthahn. Dieser kommt nun drei Stunden lang in den Ofen. Als Beilage reicht René Mlinci: getrocknete Teigfladen, die er kocht und mit dem Bratensaft übergießt. Dazu passt ein guter lokaler Wein! (4): Elfenbeinküste: Die Legende Picassos Im Norden der Elfenbeinküste soll einer der berühmtesten Maler des 20. Jahrhunderts einst Inspiration gefunden haben. Noch heute erzählt man in der für ihre Handwerkskunst bekannten Ethnie der Sénufo von einem seltsamen Fremden, der eines Tages in ihr Dorf gekommen sei – möglicherweise war dies die Geburtsstunde des Kubismus!
Stadt Land Kunst
Usbekistan: Die Odyssee des Fotografen Paul Nadar; Mauges: Ein Industriegebiet auf dem Land; Hamburg: Alex' Rundstück warm; Washington: Spiel mit der Angst. Usbekistan: Die Odyssee des Fotografen Paul Nadar Mauges: Ein Industriegebiet auf dem Land Hamburg: Alex' Rundstück warm Washington: Spiel mit der Angst (1): Usbekistan: Die Odyssee des Fotografen Paul Nadar Das warme Licht Zentralasiens lockte Ende des 19. Jahrhunderts den französischen Fotografen Paul Nadar (1856-1939) nach Usbekistan, das damals noch Turkestan hieß. Er war der Erste, der diese Landschaft fotografisch festhielt. In mehr als 1.800 Aufnahmen dokumentierte Nadar eine traditionelle orientalische Gesellschaft, die sich auch unter russischer Herrschaft ihre Eigenständigkeit bewahrte. Als einer der Ersten machte der technikbegeisterte Nadar mit kleineren Kameras Schnappschüsse. So machte er das Leben der Menschen hautnah erlebbar und schuf ein orientalisierendes Abbild dieser vergangenen Welt. (2): Mauges: Ein Industriegebiet auf dem Land Im Westen Frankreichs liegen die Mauges, ein grünes, ländliches Gebiet, dass bei den Franzosen auch als "Land der Fabriken auf dem Land" bekannt ist. Hier bestimmen Kirchenglocken und Fabrikschornsteine das Leben. Statistisch sind die Mauges ein absoluter Einzelfall: Fast jeder hier hat Arbeit, meist in der Fabrik des jeweiligen Dorfes, die dort oft schon in der fünften Generation geführt wird. Die Gegend ist erzkatholisch und hat die Höhen und Tiefen der Globalisierung erlebt, doch dank der in den engen Tälern angesiedelten kleinen Industriebetriebe, die hier seit dem 19. Jahrhundert neben der Landwirtschaft bestehen, konnten die Menschen ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte schreiben. (3): Hamburg: Alex' Rundstück warm Alex in Hamburg lässt seine Gäste heute in ein Stück Geschichte beißen: Das Rundstück warm gilt als ein Vorläufer des Hamburgers. Dafür belegt er das aufgeschnittene Brötchen mit Rindfleisch, das zuvor zwei Stunden lang mit Gemüse in Rotwein geschmort wurde. Ein Klassiker, der früher besonders bei den Hafenarbeitern beliebt war. (4): Washington: Spiel mit der Angst 1983 waren die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion auf einem Höhepunkt. Um für den Extremfall vorbereitet zu sein, startete das US-Militär eine Übung, die einen nuklearen Angriff simulierte. Das Manöver war allerdings so realistisch, dass es die Sowjets in Alarmbereitschaft versetzte – und beinahe einen Atomkrieg auslöste …
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